Irgendwann habe ich mir genau diese Frage gestellt: Ist meine Tochter eine Psychopathin? Darum habe ich diesen autobiografischen Roman geschrieben. Als Tatyana kleine war, nannten es alle: "Eure Tochter hat Selbstbewusstsein. Sie weiß genau, was sie will." War es wirklich nur das? Selbstbewusstsein? Oder waren da nicht schon ihre psychotischen Charakterzüge erkennbar? Mit 13 Jahren wurde es eigentlich richtig schlimm, dieses angebliche Selbstbewusstsein. Wir lebten damals in Südfrankreich. Tatyana führte ein sehr lustiges und freies Leben, setzte immer mit Trotz und Geschick ihren Willen durch. Da dachten wir auch noch, naja, sie hat halt einen starken Willen. Sie wird es mal beruflich sehr weit bringen mit diesem Durchsetzungsvermögen. Als sie 15 wurde, stand das Gymnasium an. Das Schulsystem in Frankreich war ein anderes, als in Deutschland. Eine Realschule in dem Sinne, wie wir es kennen, existierte dort nicht. Die Kinder gingen direkt aufs Gymnasium oder in eine Ausbildung. Da die die Gymnasien in unserer Gegend leider nicht selten mit Drogenproblemen zu tun hatten, wollten wir das liebe Kind lieber gleich in Nizza auf der Internationalen Schule anmelden.
Das hätte allerdings bedeutet, dass sie während der Woche dort wie in einem Internat leben würde und nur am Wochenende nach Hause käme. Denn Nizza war etwa 90 km von uns entfernt. Eine tägliche Fahrt wäre nicht nur unbezahlbar geworden, sondern auch von der Zeit her für uns nicht machbar gewesen. Also wollte das Kind lieber gleich in ein richtiges Internat. Es gab einige Optionen und Diskussionen natürlich. Tatyana entschied sich für England. Da wir viele englischsprachige Freunde hatten, sprach sie bereits ganz gut Englisch. So bekäme sie die Chance eine weitere Sprache wie ihre Muttersprache zu perfektionieren. Das leuchtete ein. Das wäre für ihre berufliche Zukunft sich von Vorteil, sagten wir uns. Also arrangierte ich über eine spezielle Agentur in London Termine in verschiedenen Internaten im Süden von England, die Tatyanas Wünschen und Wahlfächern entsprechen würden. Google oder andere Internetsuchmaschinen gab da noch nicht. Da ging es schon los. Es wurde zum Spießroutenlaufen. Nicht etwa wegen der Internate, nein wegen unserer Tochter. Am besten liest man das alles in meinem Buch. Danach folgten Eskapaden über Eskapaden, die uns bald in den Wahnsinn trieben.
Es lohnt sich, das Buch zu lesen. Caren Pott
